Julefrokost bei Brian

Meine Eltern hatten die wunderbare Idee, mich zweisprachig aufwachsen zu lassen. Ich ging in einen dänischen Kindergarten und in die Grund-und Hauptschule in Süderbrarup (Schleswig-Holstein). Danach ging ich auf das einzig in Deutschland dänische Gymnasium Duborg-Skolen. Meine Kindheit verbrachte ich mit vielen dänischen Freunden und deren Familien. Seit meinem 4. Lebensjahr spreche ich fließend dänisch und sehe Dänemark als meine zweite Heimat.

Als ich vor 5 Jahren nach Hamburg zog, hab ich irgendwo gelesen, dass ein „verrückter Däne“ ein Restaurant eröffnet hat: Brians Steak & Lobster

Däne? Verrückt? Gastronomie? Das war für mich als „Sydslesviger“ (Südschleswiger – Dänische Minderheit) mit einer großen Affinität zu leckeren Speisen ein gefundenes Essen Fressen! Es gab nur ein kleines Problem: Brians Steak & Lobster liegt im Stadtviertel Hamburg-Pöseldorf und wir wohnen in Stadtteil Rissen im äußersten Westen…. Jeder Hamburger kennt das Problem der nicht vorhandenen öffentlichen Verkehrsanbindung von Hamburg-West Richtung Hamburg-Alster/Mitte und Hamburg-Ost.

Seit einigen Jahren verfolge ich Brian, sein Restaurant und seine Aktivitäten in den Sozialen Medien (z.B. Brians Way of Life sind Kulinarische Abenteuer durch Dänemark). Und genau dort entdeckte ich den kleinen Eintrag: „Julefrokost bei Brians Steak & Lobster“ 

Julefrokost? Das erinnerte mich an meine Kindheit bei meiner Sandkastenfreundin Rete und ihrer Familie.

Und heute war es soweit. Ich war sehr gespannt und hatte gedanklich sehr hohe Ansprüche. Schließlich wollte Brian mit seinen 2 Brüdern Kenneth und Troels Michal zusammen kochen und Hamburg zeigen, was ein ordentliches dänisches Julefrokost ist. Und ich hatte meine Erinnerungen… Also Göttergatten schnappen und den 4. Advent mit allen Sinnen geniessen!!!!

Das Entré mit einem Surfbrett im Eingang, gibt schon einen Vorgeschmack auf den Gastgeber und die restliche Inneneinrichtung. Brian hat seine Liebe zum Surfen auf Sylt entdeckt und inzwischen die ganze Welt „be-surft“. Die Inneneinrichtung spiegelt das wohlige Ambiente einer Beachbar in Australien, USA, Sylt oder auch Hamburg wider. Und in jeder Ecke auch die Liebe zum Meer!

Ich fühlte mich sofort zu Hause!

Die Boysen-Boyz haben mich kulinarisch nicht enttäuscht! Es gab einen großen, dänischen Berg an Köstlichkeiten.

Vorweg gab es Sild (Hering) mariniert mit weihnachtlichen Gewürzen, Sild in einer Meerrettich-Sahne-Sauce mit Äpfeln und Sellerie, Rotbarsch in einer (hab ich noch nie so lecker gegessen) Knusperhülle und letztendlich Rejer (Krabben) mit Ei und Zitrone. Und alles mit typischen dänischen Rugbrød (Schwarzbrot). Ich hätte mich in den Fisch reinlegen können! Butterweich!

Das war ein „kleiner“ Appetizer…. Dennoch benötigten wir zwischendurch einen Dänischen Aquavit aus der sehr großen Auswahl. Wir entschieden uns nach dem Fisch zu einem Aalborg Dild Akvavit (38% Vol. – eher leicht, mit einem Hauch von Dill und Zitronenschale).

Nach Fisch kommt Fleisch: Rullepølse, Leverpostej (Leberpastete) mit Champignons und Bacon und eingelegte Rote Beet und Senfgurken

Im Anschluß war definitiv ein Grill-Akvavit (Aalborg Akvavitfür Jochen und einen Gammel Dansk für mich ein absolutes Muss!!!! Die Rote Beete war lecker erdig, die Leverpostej eine wirkliche Köstlichkeit!!!! Der Bacon mit den Pilzen hat es abgerundet.

Uns wurde eine kleine Verschnaufpause angeboten, mit der Gelegenheit zu einem 20 minütigen Spaziergang, der Platz für den nächsten Gang schuf:

Traditionelle Schweine-Wurst „Medister“. Meistens besteht sie aus 80% Brot und 20% Schwein.  Aber nicht hier! Sie hatte eindeutig viel Schwein, eher überhaupt kein Brot und viele Gewürze. Was darauf hindeutet, dass es selbstverständlich keine klassische Industrie-Wurst war. Sehr lecker!!!! Dazu geschälte Salz-Kartoffel, leckere, leckere, leckere (megaleckere) Sauce und traditioneller Weißkohl mit Sahne (ich hatte ihn schon völlig verdrängt und vergessen, wie lecker es ist!!!)

Wer glaubt, das war das Ende der dänischen kulinarischen Rundreise, der wurde eines Besseren belehrt … Wer die Dänen kennt weiß, dass nicht nur in Italien ein geselliges Essen über mehrere Stunden andauern kann…

Der nächste Gang gehört zur Königsklasse: Svinekam med sprøde svær.

Ein sehr typisches dänisches Gericht: Schweinebraten mit Kruste. Die Kruste war perfekt, das Fleisch war saftig. Dazu gab es knackigen Rotkohl, karamelisierte Kartoffeln.

 

Die Krönung eines dänischen Julefrokost ist der Nachtisch:

Risalamande

Eine Art Reisgrütze/Milchreis. Traditionell wird eine ganze Mandel versteckt. Wer sie erhält, bekommt ein Geschenk.

Noch nie hab ich die Mandel gehabt. Aber heute……..

Yeahhhhhhh! Und damit durfte ich das Geschenk auspacken. Holy Sh** Gewürzmischung. Als hätte Brian oder der Jule-Nisse es gewusst… Ich freue mich!

Jeg siger tak for alt! Vi ses senest næste år!!!!

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2 Antworten zu Julefrokost bei Brian

  1. Bror schreibt:

    Boah! Das ihr das alles verputzt habt !!😳

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